Gibson Faces

It’s all about Daniel

Icons_arrow-down-white

Mancher schneidet sich nach einer Trennung die Haare, mancher stürzt sich blindlings in die nächste Beziehung, und andere, wie unser Juni-Face Daniel, entdecken ihre künstlerische Ader. Dass er es damit aber nach nur 18 Monate zur ersten eigenen Vernissage bringt, damit hätte Daniel selbst auch nicht gerechnet. In unserem Blog erzählt er, wie er das Ganze erlebt hat.

Daniel, wie kam es überhaupt dazu, dass Du Deine künstlerische Ader entdeckt hast?

Nach einer Trennung habe ich mir eine kleine Auszeit gegönnt und überlegt, wie ich die neu gewonnene Zeit am Besten nutzen könnte. Ich bin kurz zuvor auch umgezogen und hab mich dann in meiner neuen Wohnung hingesetzt und gedacht: „Hey, du hast doch früher schon mal porträtiert – nicht besonders gut – aber probier‘s doch nochmal und schau‘ einfach, in welche Richtung es geht.“ Ich habe das Ganze dann einfach mal so fließen lassen und auch am Anfang selbst gemerkt, dass das nicht wirklich was war. Nach einigen Fehlversuchen, Teststrecken und Probezeichnungen entwickelten sich dann langsam die ersten drei Serien. (Jackie und Brian, Blutbilder und Der Mann mit Hut).

Freunde legten mir immer häufiger ans Herz, die Sachen mal öffentlich auszustellen. Anfangs noch unsicher, habe ich mich dann darauf eingelassen und bin dem Rat meiner Freunde nachgegangen, meine erste Vernissage zu planen.

Dann ist es ja noch gar nicht so lange her, dass Du damit angefangen hast?

Ja genau, das sind jetzt eineinhalb Jahre. Meine erste Vernissage „Die Welt durch meine Augen“ war am 25.03.17.

Du hast bei Deinen Werken Portraits dabei, Skulpturen aber auch kleine cartoonartige Zeichnungen. Gibt es einen Bereich, der Dir besonders Spaß macht, den Du am liebsten magst?

Mein persönlicher Favorit sind die Bleistiftzeichnungen, hierauf liegt auch der Fokus bei meinen Werken. Bei einem meiner für mich emotionalsten Bilder habe ich zwei Jungs porträtiert, die sich brüderlich im Arm halten. – das Werk Rückhalt. Die zwei Jungs – Freunde – sind beide nackt und ich möchte damit sagen: Du musst dich nicht verkleiden, dich nicht verstecken und trotzdem ist jemand für dich da – bedingungslos.

Photos by: Daniel Müller

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Werke?

Manchmal kommt es tatsächlich einfach so, da macht es Klick und das Motiv ist mit allen Details vor dem geistigen Auge. Bei meinem Projekt „Die Welt durch meine Augen“, habe ich mich jedoch über 1,5 Jahre eingearbeitet/eingedacht. Es ging langsam los mit ein bisschen Achtsamkeit – Beobachtungen, wie ich ticke, wie manche Freunde, Bekannte oder Kollegen handeln. Später entwickelte sich eine regelrechte Art zu Denken und zu Handeln. Die gesammelten Erfahrungen habe ich versucht aus der Emotion heraus in die Kunst zu packen. Es ging mir nicht darum, hochtechnische, perfekte Werke zu schaffen, sondern in einer einfachen Weise Emotionen zu vermitteln.

Also hattest Du erstmal kein konkretes Überthema für Deine ersten Arbeiten als Du sie erstellt hast?

Genau, ich hab erstmal das gemacht, was mir in den Sinn kam und dann habe ich nach und nach gemerkt, dass alles in eine ganz bestimmte Richtung geht. Bei Bild 9 oder 10 wurde mir bewusst, dass es „Die Welt durch meine Augen“ heißen muss, weil ich festgestellt habe, dass ich manche Dinge doch anders betrachte als andere. Ein Bild beschreibt z.B. ein Beziehungsszenario, bei welchem Jackie und Brian der ewigen Liebe hinterher hecheln. Jackie sitzt auf Brians Schultern und hält die Angel mit Brians Herz so, wie man einem Esel eine Karotte vor die Nase hält. Vielleicht sind sie nicht glücklich, aber dennoch  laufen sie einem Ideal hinterher, das zwar für manche oder viele funktioniert, aber eben nicht für alle. Solche Gegebenheiten waren immer die Basis für meine Werke, die aus Situationen und Momenten heraus entstanden sind. Gezeichnet, weil sie mich beschäftigen und nicht, weil ich etwas schön finde.

Sieht Deine Wohnung dann aktuell wie ein Atelier aus oder von wo arbeitest Du?

Momentan ja. Ich arbeite von zu Hause aus, in meiner Wohnung in einem Gründerzeithaus. Dort habe ich ein großes Wohnzimmer mit einem kleinen Erker, den ich mir als Arbeitsplatz eingerichtet habe, mit Blick auf das Treiben in der Stadt.

Photos by: Daniel Müller

Wie war das dann für Dich, nachdem es ja quasi Schlag auf Schlag ging, und der Tag der Vernissage dann endlich da war?

Ich stand wirklich unter Druck. Bis zur Einladung wussten viele Leute gar nicht, dass ich male. Ich habe 180 Einladungen per Post verschickt, weil ich das nicht nur über Facebook machen wollte. Dank befreundeter Grafiker und Fotografen hatte ich großartige Unterstützung, was Einladungskarten, Pressewand & Co. anging. Kurz nachdem diese raus waren, kamen auch schon die ersten überraschten Anrufe. Am Tag selbst begrüsste das Gründerzeithaus die Gäste mit roten Teppich, Pressewand und reichlich Prosecco. Fünf Sponsoren haben mich dabei unterstützt das Event finanziell und organisatorisch auf die Beine zu stellen.

Am 25.03.17 um 17 Uhr hieß es dann – „Die Welt durch meine Augen“ – Mein Vernissage-Debut.

Ich staunte nicht schlecht, als 150 Leute vor dem Haus standen, in dem ich wohne. Kein Ort hätte besser zum Thema „Die Welt durch meine Augen“ gepasst, als der Eingangsbereich, das Treppenhaus und meine eigene Wohnung. Glücklicherweise stand ich nicht alleine da. Ein guter Freund schafft aus sonst Weggeworfenem kleine Meisterwerke wie Lampen aus Recyclingmaterialien.

Es ist dann schlussendlich auch ganz anders gelaufen, als erwartet. Ich dachte eigentlich, dass die Leute sich langsam durchs Haus bewegen und so in ca einer Stunde alles gesehen haben könnten. Tatsächlich waren die meisten Besucher im Schnitt 2-3 Stunden in den Ausstellungsräumen und ließen sich mitnehmen in meine Welt. Gefeiert wurde bis morgens um 6 Uhr.

Als Stilbruch lief den Abend über klassischer Techno, bis eine Freundin von mir eines der Stücke auf meinem Piano spielte, welches sogar noch geplant ware. Das sind Momente, die man nicht in Worte fassen kann.

Von der Personenstruktur her waren von Doktoren über Kreativberufler, Arbeiter und Studenten bis hin zum Pfarrer alles dabei. Und wenn dann am Ende der Pfarrer mit den Tätowierern und der Mutti bei einem Glas Wein zusammensteht, und die Menschen in der Kunst vereint sind, hat man alles richtig gemacht.

Was Du erzählt hast, macht den Eindruck, dass Du zunächst verunsichert warst, ob Du überhaupt ausstellen willst. Wie war es dann für Dich, die Reaktion von den Leuten bei der Vernissage zu sehen?

Das war der Wahnsinn. Ich hab für mich persönlich als Ziel oder Anspruch gehabt, dass eine Person da raus geht und sagt: Hey, das hat mir was gegeben. Und es gab wirklich überragend viel Feedback. Es haben zwei Frauen vor einem Bild gestanden und angefangen zu weinen, da sie sich sehr gut in dem skizzierten Szenario wiedererkennen konnten. Allein so etwas ist der Grund, warum ich weiter machen will und werde. Eines der größten Komplimente war für mich auch, als ein guter Freund von mir meinte: „Das Event, das alles hier, bist durch und durch Du!“ Es gab aber auch negative Kritik, die gibt es immer. Sachen wie: „Ich dachte, Du fotografierst“, „Es nimmt mich nicht mit“, „Es ist langweilig“. Aber das war für mich nicht weiter schlimm – jeder hat einen anderen Zugang zu Kunst, und mein Ziel war es nicht, dass es allen gefallen muss.

Photos by: Daniel Müller

Du hast auf der Vernissage auch einige Werke verkaufst. Wenn Du so lange an den Stücken arbeitest, wachsen sie Dir ja auch ans Herz. Fällt es dann nicht schwer, die Stücke zu verkaufen?

Ja, allerdings. Es ist schon schwierig. Aber als ich dann an der Vernissage gesehen habe, wer sich für die Bilder interessiert, habe ich mich persönlich gefreut. 3 Bilder hat beispielsweise mein Nachbar gekauft, der sich in den kleinen Skizzen selbst total wiedererkennen konnte und sie sich jetzt in sein Büro gehängt hat.

Alle Käufer, die mir nicht bekannt waren, habe ich zur Übergabe auf eine Tasse Kaffee in meinem Lieblingskaffe getroffen, um zu erfahren, wo das Bild hingeht. Das war mir persönlich sehr wichtig, weil es auch irgendwie immer ein Stück von mir ist.

Was sind Deine nächsten Ziele und Wünsche oder Projekte, die Du in Zukunft in Angriff nehmen willst?

Eines meiner Hauptziele ist Mitte, Ende nächsten Jahres in einem kleinen alten Themenkino in Aschaffenburg zusammen mit anderen Künstlern aus der Rhein/Main Region eine etwas größeres Kunstevent zu veranstalten. Derzeit haben diverse Künstler aus der Region, meine Tätowierer und der Vintage-Lampen-Freund Interesse angekündigt. Bis dahin wollen wir unsere Tätigkeit von einem Filmemacher begleiten lassen und das dann auf der Kinoleinwand präsentieren. Erste Gespräche finden diesen Sommer mit allen Beteiligten statt. Ihr dürft gespannt bleiben!

News und Impressionen gibt es auch auf Daniels Instagram-Account ad271

Bis dahin

Daniel <3

divider